Wings for Life Run 2016 (von Stefan)

Mein Wings for Life Worldrun- Zombies in my head

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Der Titel verspricht ja schon einiges und nimmt vorweg wie es mir ging bei meinem 1. großen Saisonhöhepunkt. Wir hatten sogar den obligaten Frühjahrsmarathon (Staatsmeisterschaften in Salzburg 1 Woche davor) zugunsten des WFL runs gespritzt. Entsprechend vorbereitet und motiviert wollten Markus & ich die Vorjahresdistanz verbessern und wieder eine Top 20 Plazierung im Östereich- event erlaufen.
Nicht ganz 50km waren es 2015, eine pace von 4min10s/km sollte mich in die Gegend von 55km bringen.
Markus war leistungsmäßig auf dem selben level, er hatte den Rückstand auf Grund 2er OPs im Winter gut aufgeholt.
Also wars klar dass wir das Ding wieder gemeinsam anlaufen werden, klar aber auch dass in den Modus „Jeder kämpft für sich Alleine“ gewechselt wird sobald einer schwächelt. Sonst wird das nix.
Die vorletzte Woche vor dem Start konnte ich noch meine letzten ernsthaften Trainingsläufe gut absolvieren, ab So bis einschließlich Do ging berufsbedingt gar nichts- Null Bewegung- mein Körper hat da irgendwas falsch verstanden und sich offenbar in einen abgrundtiefen Regenerationsmodus verabschiedet.
Ein locker geplantes letztes Läufchen am Fr wurde zur Katastrophe und der Stefan wurde mal wieder zum Schiesser knapp vorm Wettkampf. Na danke, des kann ja lustig werden am WFL- Sonntag….
Genau da holt mich aber Wilma wieder zurück in die Realität. „Sei froh dasst gsund bist!“
Eben. Run for those who cannt`- halt ein bissl direkter interpretiert von meiner Frau.

Sonntag- Raceday: Die ganze Family ist mitgekommen, auch Julia mit ihrer Schwester im Geist Renate stehen am Start. Die Stimmung ist super, wir treffen ausschließlich gut gelaunte Menschen die Teil eines großartigen Ganzen sein wollen.
Ich ahne trotzdem dass es heute kein Spaziergang wird für mich und picke mir schon mal vorsorglich eine Kriegsbemalung ins Gesicht…..
Wir kommen gut vom Start weg und pendeln uns schnell auf die Plan- pace von 4:10 ein. Biberbruder @T Lleyton Punz stellt sich als Hase für die ersten 20km zur Verfügung, er hat noch den Wadenblues vom Salzburg Marathon in den Beinen (2:45!!!). Geile Sache!
Ein Stück lauf ich mit Andi Goldberger, wir philosophieren übers Altern und Andi meint, ab 50 sollte ja der Puls nimmer über 150 gehen. „Perfekt“ sag ich, zeig ihm meine Pulsuhr die 149bpm anzeigt und wir haben unsere Gaudi. Gleichzeitig weiss ich aber dass ein Puls von ca. 150 bpm zu dem frühen Zeitpunkt viel zu hoch ist für mich. Es wird mich zreissen, das ist mir klar, ich weiß nur noch nicht wann….
Alle Daumen hoch für Cornelia Moser- die spätere Österreich- Siegerin, wir cruzen mit ihr in einer super Gruppe ca. bis km21 (nach der Reichsbrücke) bevor sie sich mit einem kleinen Grüppchen endgültig nach vorne verabschiedet.
Der flow ist gut, Puls stabil aber halt zu hoch, bei der geplanten Halbdistanz reflektier ich wie es mir geht: Naja, a bissl zach is schon. Der Trainings- 30iger im Wettkampftempo war schon geschmeidiger.
Bei km31 (wir sind bis dahin gut auf Plan gewesen) muß ich Markus ziehen lassen. Ich spür ich werd leer, lass mir bei der Labe mehr Zeit und schau dass ich Gel und Salztabletten runterbring.
Fuck! Es ist heiß auf er Donauinsel. Wir laufen gegen die Sonne, leichter Rückenwind hilft dir bei der pace aber du glaubst die Luft steht.
Ab km34/ 35 beginnt das Leiden. Und zwar jäh und und so richtig. Der Puls fährt in die Höh, die Oberschenkel wie Blei. Die pace fällt ab, eine Perspektive wie ich noch 15-20km schaffen soll hab ich (noch) nicht. Zombies in meinem Kopf! Der Krieg der Welten ist entfacht.
„Du verreckst grad- was soll das?“
„Bleib stehen du Trottel, des wird net einmal mehr ein gscheiter Marathon!“
„Bloß net stehen bleiben! Ich kenn das: Die Entscheidung fällt im Hirnkastl in Sekundenbruchteilen! Zack und du bist raus! Also lauf weiter!“
„Wilma hätt sicher nix dagegen wenn ich früher reinkomm!“
„Das kann ich ihr nicht antun, sie opfert den Muttertag und du kommst grinsend zurück? Satz mit x- das war nix?“
„Ich derzah die Füße nimmer! Es geht schon wieder in den nächsten Abgrund hinab!“
„Hey aber das Gel hat doch 1-2 km spürbar geholfen. Jetzt geht’s halt wieder los. Mit Gels in den Hosentaschen steigst du mir in keinen Bus! Willst des Essen wieder mit nach Hause nehmen?“
Ich krall mir bei der letzten Labe vor der Marathondistanz noch 3-4 Gels und pendle mich so auf eine pace 4:30- 4:40 ein. Weiter gehts, immer weiter….
Beim Marathonbogen klatsch ich mit Lema ab (der an dem Tag auch einen Plan B ausgepackt hatte :-)) und checke dass ich knapp unter 3h passiert habe.
UND AB DA HAB ICH NICHT MEHR ANS AUFGEBEN GEDACHT weil:
2015 bin ich ca. zur selben Zeit mit Simon Eder durch den Bogen gelaufen und mußte die restliche Strecke bis km49,3 nachlassen, war aber nie langsamer als 5:00.
>“Wenn ichs jetzt schaffe ein ähnliches Tempo beizubehalten komm ich wenigstens auf eine ähnliche Distanz wie voriges Jahr. Da kann ich nicht meckern. Da wird mir auch niemand bös sein!“
„Ich hab eine Perspektive! Jetzt nix mehr dem Zufall überlassen! Kontrollieren!“
>“Friss deine Gels, du hast genug davon! Wasser, ich brauch Wasser!“
WASSER- DAS IST TATSÄCHLICH EIN THEMA! ICH GLAUBE DA GIBTS NOCH WAS ZU KLÄREN….
„Wasser !!!!“ Ich pflaum die Volunteers an die mir mit einem „Sorry“ leere PET Flaschen zeigen.
Ich schnorre von einem privaten Radfahrer der seinen Läufer begleitet. Merci vielmals!
Ich schreie einem Rettungswagen und Streckenposten zu dass ich Wasser brauche. Funkstille. Ein Zuschauer springt auf und reißt seine Trinkflasche aus dem Radhalter und streckt sie mir entgegen. Tausend Dank, so muss Samariter!
(Markus sollte es noch schlimmer ergehen. Ihm wurde das Wasser zwischen km 45 und 50 von Radbegleitern verweigert! „Wir haben heute morgen noch die Order bekommen dass wir nach der letzten Labe nur alle 5km Wasser ausgeben dürfen. Also erstmals bei km50, dann wieder bei km55, dann bei km60…“ Ihn holt das Auto bei km50,01 ein. Ein guter Platz zum Kollabieren.).

Die letzten Kilometer bin ich also damit beschäftigt diesen „Überlebensmodus“ aufrecht zu halten. Gel schlucken, Leute anschreien und aufs Laufen net vergessen. Bissl Wadenkrämpfe bei km45, darf sein, ein paar Gehschritte einlegen: „Scheiß drauf, ist net so schlimm- lauf weiter!“ Pace noch ok, Puls halbwegs stabil. Ob ich noch die 50km Marke schaffen werd oder nicht ist mir Wurscht. „Wenns Auto kommt, ists da.“
„Ich kann Laufen und ich mache weidlich Gebrauch davon.“
„Ich hab nicht aufgegeben, ich bin ein Sieger!“
Motorengeräusche von hinten. Motorräder preschen vorbei. Wortfetzen aus einem Lautsprecher: „Ein Läufer vom LCU Pyhra….“
„ nach dieser Distanz….noch beeindruckendes Tempo…“

Das Catchercar ist da. Ich bin ein glücklicher Mensch.

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