Wenn Unmögliches unglaublich möglich wird …

Laufbericht München-Marathon aus der Sicht von Markus Marouschek

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…und es hat „Wuuums“ gemacht!
Die Hoffnung in München eine gute Zeit abzuliefern blieb vorerst auf der nassen Straße von Schauching liegen, nachdem ich per Mountainbike bergab mit 50 Sachen auf Asphalt knallte.
Dabei wollte ich nur meinem Bewegungsapparat eine Abwechslung gönnen…mit fatalen Folgen: Die linke Seite meiner Hüfte wurde mit einer kreisförmigen Wunde verziert, die aufgrund ihrer Größe nicht den Anschein hatte bis zum Wettkampf zu verkrusten. Ziehende Schmerzen sobald ich den linken Oberschenkel anhob machten sich ebenso bemerkbar. Sogleich steuerte ich meine Schwester an, die sich um die Erstversorgung bis zum Krankenhaus kümmerte.
In der Unfallerstversorgung (von Papa und Schwester begleitet) wurde durch Austesten meiner Motorik eine starke Prellung des Gluteus maximus (sprich meines Allerwertesten) diagnostiziert. Die Wunde wurde mit einer Jod-getränkten Wundauflage versorgt.
Der Selbstheilungsprozess steht nun bis zum Marathon im Vordergrund: Somit ernährte ich mich in den letzten Tagen vor München hauptsächlich von Arnika-Globuli und Zink-Kapseln. Mahlzeit!
Training darf laut Arzt erst wieder von statten gehen, sobald dieses schmerzfrei verläuft.
Am Mittwoch entschloss ich einen 10er zu laufen. Ich war alles andere als zufrieden. Als hätte mir jemand einen kleinen Zementsack um die Hüfte geschnallt.
Der Gedanke nicht an den Start zu gehen fand dennoch keine Existenz.
Die Wunde an der Hüfte wurde von Kontrolle zu Kontrolle beim Hausarzt dank erstklassiger Wundversorgung meiner Schwester immer ein bisschen kleiner. Eine spezielle Wundauflage für den Wettkampf ist trotzdem von Nöten, um die noch offene Wunde vor Schweiß und Reibung zu schützen.
Geteiltes Leid ist halbes Leid: Papa erzählte mir, dass er schon seit Tagen nachts schweißgebadet aufwacht und sich etwas grippal angeschlagen fühle.
Am Weg nach Bayern hielt sich bei uns beiden die Euphorie in Grenzen, da wir zu sehr mit den Gedanken konfrontiert waren, ob wir am morgigen Sonntag beim Lauf durch physiologische Komplikationen behindert werden.
Im Olympia-Park angekommen besuchten wir die Expo wo auch Startnummer und Startersackerl abholbereit auf uns warteten. Gestärkt von der Nudelparty bestaunten wir den riesigen Park.
Um uns noch besseren Überblick über den Olympiapark und Umgebung zu verschaffen ging es hinauf zum Olympiaturm, dessen Aufzug so schnell raufzischt, dass wenn meine Nudeln im Magen den falschen Ausgang genommen hätten, ich es ihnen im wahrsten Sinne des Wortes nicht übel genommen hätte.
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Die Nacht im Hotel war für Papa wie die Nächte zuvor: Wieder schweißgebadet aufgewacht. Und wieder hielt sich verständlicherweise die Euphorie am Frühstückstisch in Grenzen.
Doch unser Zusammenhalt machte uns stark!
…und es hat „Wuuums“ gemacht! (die Zweite)
Diesmal nicht meine Hüfte, sondern die Böllerschüsse die den Marathonstart pünktlich um 10 Uhr einleiteten. Das Laufen fühlte sich nicht schlecht an. Ich wusste gleich, dass es meine Verletzungen erlauben, eine bessere Zeit als jene in Wien anzusteuern.
Das Wetter war perfekt, die Zuschauer ein Wahnsinn, die Kulisse abwechslungsreich und die Streckenführung aufgrund der zahlreichen Anstiege definitiv kein Kindergeburtstag.
Ungefähr bei der Hälfte des Rennens machte sich die Prellung hinten spürbar bemerkbar. Doch die stimmungsgeladenen bayrischen Zuschauer ließen den Schmerz schnell vergessen. Zwischen km30 und km35 kalkulierte ich noch eine Zeit die knapp unter 3 Sunden möglich gewesen wäre. Den Biss das durchzuziehen hatte ich jedoch nicht, da ich von der Leistung trotz meiner Vorgeschichte angenehm überrascht war. Ist ja schließlich nicht mein letzter Marathon. 😉
Der Zieleinlauf erfolgte im Olympiastadion, das ich mit lautem „Wooooow“ begrüßte. Die wohl schönsten und am unvergesslichsten 350m die ich je gelaufen bin. Schöner war heuer nur der gemeinsame Zieleinlauf mit Papa bei meinem ersten Marathon im April. Es war der perfekte Moment. Ich näherte mich dem Ziel und sah, dass Papa mich mit lächelndem Gesicht bereits erwartet. All unsere Ängste und Sorgen die uns begleiteten gehörten von nun an der Vergangenheit an. Mit einer Zeit von 3:02 bin ich mehr als nur begeistert…und mit einer Zeit von 2:56 mehr als nur stolz auf mein Vatertier.
Arm in Arm jubelten wir der Tribüne zu und genossen die gewaltige Atmosphäre im Stadion.
Nach dem Duschen ließen wir uns es nicht nehmen, nochmals ins Stadion zu gehen um ein paar Eindrücke per Fotoapparat festzuhalten.
Eines weiß ich ganz gewiss:
Bei der nächsten Marathonvorbereitung werde ich natürlich nicht mehr so leichtsinnig kurz vor Wettkampf Verletzungsgefahr hervorrufen.

Nochmals großes Dankeschön an:
…meine Schwester Julia, für die großartige Wundversorgung,
…Mum, Onkel Pauli, Fam.Punz (die uns ein super Hotel empfohlen haben)
…alle LCU-Mitglieder
…zu guter letzt an Papa!

euer Markus