Stefan aus Frankfurt

Mein 2. Marathon in dieser Saison sollte nochmals Einen draufsetzen auf die bisherigen Leistungen dieses Jahres. Ich hatte gut trainiert, war gsund und gut drauf- so gesehen stand einem weiteren ordentlichen P.B. am Tag X nichts im Weg.

Sieger und Sieger

Gut trainierte Lauf- Kollegas die kurz davor bei div. Marathons ihre persönlichen Ziele nicht erreichen konnten sowie ein eigenes DNF bei einem 10km-Lauf dieses Jahr ließen mich dennoch demütig an die Sache herangehen und einen Plan B mit auf die Reise nehmen. Und das war gut so.

Teil 1 des Berichtes für die Genussläufer unter uns:
Frankfurt ist als schneller Kurs bekannt und das war das Entscheidungskriterium für uns, diesen Lauf für unseren letzten Saisonhöhepunkt zu wählen.
Die ersten 13km sind ein Ringelspiel im Häuserlabyrinth. Orientierungsversuche zwecklos. Dann geht’s entlang des Mains 10km Richtung Westen- 5km Runde in einen anderen Stadtteil- 10km auf der anderen Main- Seite wieder rein ins Mäuselabyrinth, 7km „zicki- zacki- o-wo-sama“, zurück zum Start am Messegelände- Festhalle- Discobeleuchtung- Jubel!- fertig (wenn’s so einfach wär….)
Die Höhenmeter halten sich in Grenzen und die häufigen Richtungswechsel passieren Großteils auf breiten Straßen. Also nicht wirklich hinderlich, ein gutes Tempo durchzuziehen.
Positiv ist das große Teilnehmerfeld, bei 15- 20.000 Startern gibt es jede Menge Läufer in allen Leistungsbereichen. Das ist gut bei Wind, wenn man sich gern ziehen lassen mag oder gegen „Die Einsamkeit des Langstreckenläufers“.
Apropos: SEHR positiv sind die Zuschauer/ Fans de facto entlang der ganzen Strecke. Super Stimmung! Super mentale Unterstützung! Wie wieder mal ein Wadenkrampf voll einfährt haut´s mich fast aus die Bock. „Hey Stefan! Du siehst noch gut aus! Gleich hast du´s geschafft!“ Ich denk mir noch „F…!!!!- aber eigentlich hat sie recht- Also weiter!“ So läuft das in Frankfurt, du wirst gelaufen .
Das Wetter war übrigens perfekt. Diesig, bewölkt bei ca. 13°C, nur leichter Wind meist von der Seite. Da ist man anderes gewöhnt beim FF- Marathon von den Jahren davor.
Organisation bis auf zu wenig Klos im Start/ Zielbereich perfekt, Labestellen und Bruttozeit- Anzeige sowie Zwischenzeit- Nehmung exakt alle 5km(!) und bei HM Marke, zwischen jeder Labe zusätzlich „Tankstellen“ mit Mineralwasser und Schwämme. Klos nach jeder Labe……
Der Einlauf in der Discomäßig- illuminierten Festhalle sehr pompös. Mir war’s aber Wurscht, ich hatte schon längst meinen Tunnelblick aufgesetzt und die Bruttozeitanzeige im Ziel fixiert- ich wollte ja eine P.B. heimbringen….

Vorweg: Es ist sich ausgegangen!!!
Neue persönliche Bestzeit!!!
02:51:52s
374. Gesamt
353. Gesamt Männer
12. Platz Klasse M50…
…von 1226 Gewerteten in dieser AK!!!

Teil 2 des Berichtes für die Freaks unter uns, die es genauer wissen wollen:
Wir- Markus, Michael Simmer & ich- wollten unsere Zeiten von Salzburg Mai2014 toppen weil wir ….
a) besser drauf sind (zumindest Michi & ich) als im Frühjahr und
b) der Kurs nicht so schwer ist wie in Salzburg.
c) Markus sich trotz ständiger Verletzungen/ Überlastungen und somit suboptimaler Vorbereitung zumindest stark genug fühlte, eine engagierte pace zu versuchen.
Ich für meinen Teil hatte die ganze Saison über auf eine pace 4:00min/km hin trainiert und mir das auch als Marschtabelle verordnet. Die Testläufe davor waren vielversprechend aber wie eingangs erwähnt, es muss halt alles passen am Tag X.
Also: Optimal wär somit eine Zielzeit von 02:48: hoch, 02:50 wär auch sehr fein, Minimalziel wenigstens eine neue P.B.
Plan B wenn´s gar nicht läuft war den Rest des Events die Stimmung genießen, Hände abklatschen und finishen. Aufgabe war somit keine Option.
Und dieses mentale Bewusstsein mit all den obigen Szenarien war tatsächlich das einzig richtige Rüstzeug für mich.
Wie lief’s dann wirklich?
Die paces über die 5km Splits waren: 4:05, 4:01, 3:55. 4:01, 4:02, 3:57, 4:02, 4:08(beginnende Wadenkrämpfe bei km31, ich gehe dazwischen bei der Labe um zu dehnen), 4:25 (km35-40, die Wadenkrämpfe eskalieren, ich gehe 2x bei den Laben und bleibe 3x Stehen um die gesamte Muskelkette A…. abwärts für beide Beine abwechselnd zu dehnen) . Die letzten 2,2km mach ich noch in pace 4:14 mit ein paar Gehschritten dazwischen.
1. Hälfte somit in 1:24:28s super auf Plan, 2. Hälfte in 1:27:25s.
Von den 3 Minuten plus in der 2. Hälfte ordne ich den Waden 2 Minuten zu, es wär übertrieben zu behaupten, ich hätt das Tempo der 1. Hälfte ohne Einbußen ins Ziel gebracht.
Ich war zum Ende hin auch schon ganz schön platt, wenngleich es dazwischen immer wieder gut weiterging. Pulsmäßig war ich mit einer durchschnittlichen HF von 157bpm und max. HF von 169bpm beim Zielsprint sogar höher unterwegs als in Salzburg. Meine IANS liegt übrigens bei 161bpm.
Somit gibt’s nix zu meckern, ich hab meine Leistungsfähigkeit in Summe eh ganz ordentlich ausgereizt. Und meinem Bewusstsein der möglichen Szenarien schon im Vorfeld sowie dem Krisenmanagement wie es dann soweit war verdanke ich es, dass ich mich am Ende doch noch über die angestrebte P.B. freuen durfte.
Ich erwähn das so genau weil vielleicht kann jemand für sich selbst die richtigen Schlüsse bei seinen Vorhaben ziehen!
Mein Resümee: Das 3. mal Sub3 seit Okt. 2013 (München, erstmals unter 3 Stunden gefinisht), das 3. mal in Folge P.B. geschafft. Ich bin stolz auf die Platzierung in einem der größten Marathons in unserer Hemisphäre.
Ich bin stolz auf meine Leistungen in dem Jahr.
Nach einer langen Saison kann ich jetzt auch mal die unbeschwerten Seiten meines Hobbyläufer-Lebens genießen. Oder gar mal an etwas anderes denken/dringende Arbeiten an Haus und Garten angehen?- ok bloß nix übertreiben!
Ich werde mich für nächstes Jahr neu ausrichten. Trainingsmäßig fällt mir einiges ein, was ich noch verbessern kann. Weil anders ist besser. Und wer rastet rostet. Und nach dem Marathon ist vor dem Marathon. Aber das wisst ihr bereits.
Vor Allem aber: Gsund bleiben- der Rest ergibt sich!

Michi-Stefan-Markus
LG

Euer Stefan

P.S.:
Danke meiner Frau Wilma dass du mich meinen Vogel fliegen lässt!
Danke Herbert Bauer, die Schuhwahl war perfekt. Sprunggelenke und Achillessehnen komplett schmerzfrei. Besser geht’s net!
Gratulation an Markus! Suboptimale Vorbereitung- trotzdem noch Sub3 geschafft. Voll Supi!
Gratulation an Michael Simmer- ein Bruder im Geist! Michi wollte wie ich auch ein paar Minuten schneller sein, hatte aber schon extrem früh mit immensen Problemen zu kämpfen. Trotzdem 2:43:53s. Wahnsinn!