Roland: Ultra Trail du Mont Blanc (mein erster 100-er)

3_bergab

VORSICHT – sehr ausführlich) (edit admin: wie wir es gerne haben!)

1_Startinspektion

Startnummernabholung in Chamonix super organisiert (inkl. Kontrolle der Pflichtausrüstung – bei 1900 Startern eine umfangreiche Aufgabe). War wider Erwarten sehr schnell erledigt. Einzig bei der Hinterlegung der 20 Euro Kaution für den Chip waren die Ordner rigoros: Es werden nur 20 €-Scheine akzeptiert. Die Bezahlung mit zwei 10 €-Scheinen wird nicht toleriert. Da wir aber schon ziemlich vorne in der Warteschlange waren, stellten wir uns stur und konnten letztlich problemlos bezahlen.

2_Start

Am nächsten Morgen erwachten wir bei herrlichem Kaiserwetter. Unser Quartier war nur 100 Meter vom Start entfernt, so konnten wir noch in aller Ruhe frühstücken. Unter Anfeuerung unseres professionellen Betreuerstabes (Andrea, Anita & Dieter) ging’s in 3 Wellen auf die Strecke.

Nach ein paar Einlauf-km begann der 1. Anstieg auf knapp 2600 Hm auf einem schmalen Pfad. Überholen war hier unmöglich, daher marschierte eine endlose Menschenschlange den Berg hinauf. Nach diesen ersten 10 km kamen wir endlich zum Laufen. Es bildeten sich immer kleinere Grüppchen, an denen man sich in mühevoller Kleinarbeit vorbeikämpfen musste (da soll noch mal einer sagen, in Monte Carlo kann man schwer überholen…)

Der nächste große Anstieg auf den Grand Col Ferret war wieder genau meins, da machten wir wieder viele Plätze gut. Das Bergabstück in die Schweiz war auch einfach zu laufen. Probleme hatte ich immer nur bei steinigen Bergabpassagen, Geröll oder Wurzelwegen.

7_Kulisse am Morgen

Beim Aufstieg nach Champex hatte ich abgesehen vom körperlichen Verfall meinen mentalen Tiefstpunkt. Ich hatte fest vor, nach km 55 bei der Labestation mein erstes Rennen vorzeitig abzubrechen!!!
Mein größtes Problem war, wie bringe ich es Markus bei?? Weil mir auf den letzten 5 km keine Lösung eingefallen ist und ich meine leeren Speicher in der Labestation bestens auffüllen konnte, verschob ich meinen Ausstieg bis zur nächsten Station. Angeblich sollte unser Team dort auf uns warten …

Also machte ich mich wieder auf den Weg, mit dem Bewusstsein, dass dies nur eine Finte von Markus sei, um mich zum Weitermachen zu motivieren. Nächster Halt in Trient bei km 72. Und sie waren alle da!!!

6_Aufbruch

5_Nacht

In Trient angekommen war nicht das Problem die restlichen 28 km, sondern eher die Tatsache, dass der Lauf noch weitere 8-10 Stunden dauern wird. UNVORSTELLBAR !!! Andererseits nur noch 2 Berge!

Völlig leer in der Birne fehlte mir sogar die Kraft meinen Ausstieg in Worte zu fassen 🙂 Daher lief ich wieder weiter nach Vallorcine (km 81). Immer wieder gewürzt mit heftigen Anstiegen, welche mein Herz wieder aufblühen ließen.

4_Sinnfrage

Also wieder eine Teiletappe bis zur nächsten Verpflegung. Das Morgengrauen erweckte wieder die Lebensgeister in uns und so nahmen wir den letzten Berg in Angriff. Das waren zwar nur noch 870 Höhenmeter, es war aber trotzdem der härteste Anstieg des ganzen Verlaufes.

Immer die Maximalzeit bis zum Zielschluss vor Augen verzichteten wir bei der letzten Verpflegungsstation auf ein großes Gelage. Ein Becher Cola und weiter ging die Hatz! Denn es war wie immer zu befürchten, dass ich bergab wieder ins Schneckentempo verfallen müsste. Doch es ging bei relativ guten Bodenverhältnissen hinab nach Chamonix. Überglücklich, es doch noch trotz aller Unwegsamkeiten geschafft zu haben, liefen wir gemeinsam unter dem Applaus der begeisterten Menge ins Ziel.

Anmerkungen:
Organisation wirklich perfekt, Labestationen hervorragend bestückt (Iso, Cola, Tee, Kaffee,…,heisse Nudelsuppe, Pasta, Salami, Käse und vieles mehr) begeisterte Zuschauer entlang der Strecke (egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit).

Sonstiges:
bei km 40 den Rucksack beim Befüllen der Trinkblase unter Wasser gesetzt (inklusive der Wechselkleidung) mehrfach überknöchelt (zum Glück ohne große Konsequenzen) viel geschwitzt und gefroren (wobei letzteres viel schöner war 😉
Schmerzen sind sowieso obligat, daher nicht erwähnenswert.

Fazit:
Ein traumhaftes Erlebnis bei kaiserlichem Wetter mit dem besten Betreuerteam ever (Andrea, Anita & Dieter).

9_Ziel
Ein riesiges Dankeschön an meinen Freund und Motivationstrainer Markus für seine Geduld.

Ein absolutes Highlight in unserer Läuferkarriere!

8_Das Ziel vor Augen

Nochmals danke für die Geduld beim Lesen!

lg. Roland